Warum schadet Leitungswasser meiner Anlage?
Leitungswasser enthält gelöste Mineralien – Kalk, Magnesium, Eisen, Salze. Wenn dieses Wasser auf einem heißen Modul verdunstet, bleiben die Mineralien zurück. Das Ergebnis: weiße Kalkschleier, Kalkflecken, mineralische Ablagerungen, die fest auf der Modul-Oberfläche antrocknen.
Das Tragische daran: Diese Ablagerungen sind schwerer zu entfernen als der ursprüngliche Schmutz. Sie bilden eine zusätzliche Schicht, die Sonnenlicht reflektiert oder streut – also genau das Gegenteil von dem, was Sie eigentlich wollten.
Härtegrad ist regional sehr unterschiedlich
Im Oberbergischen Kreis liegt der Wasserhärtegrad je nach Region zwischen weich (unter 8,4 °dH) und mittel (8,4 bis 14 °dH). Klingt nicht schlimm? Auf ein Modul gerechnet, das pro Saison mehrfach mit Leitungswasser gespült wird, summieren sich die Ablagerungen schnell. In Regionen mit härterem Wasser (Sauerland, manche Bergische Gemeinden) ist es noch problematischer.
„Aber Regenwasser ist doch demineralisiert?"
Diese Annahme stimmt nur theoretisch. In der Praxis hat Regenwasser, das von Dächern oder aus Regentonnen kommt:
- Organische Verunreinigungen (Pollen, Algen, Vogelkot, Blätter)
- Mineralische Einträge vom Dachmaterial (besonders von Ziegeln, Beton, Metall)
- Bakterielle Belastung – Regentonnen sind oft kleine Biotope
- Säurewerte, die je nach Region (Industrie-Nähe) variieren können
Heißt: Mit Regenwasser bringen Sie unter Umständen genau das auf die Anlage, was Sie eigentlich entfernen wollen.
Brunnenwasser – die noch schlechtere Idee
Brunnenwasser ist oft besonders mineralreich – häufig deutlich härter als Leitungswasser. Außerdem kann es Eisen, Mangan oder Schwefelverbindungen enthalten, die dunkle oder rötliche Flecken auf den Modulen hinterlassen. Diese sind teilweise nicht mehr ohne Spezialreinigung zu entfernen.
Der mechanische Faktor: Druck und Bürsten
Selbst wenn das Wasser passen würde – mit dem Gartenschlauch reinigen Sie nicht. Sie spülen oberflächlich. Der eigentliche Schmutz haftet durch Adhäsionskräfte und Biofilm-Strukturen so fest, dass nur eine mechanische Komponente ihn löst. Wer mit hartem Wasserstrahl oder Hochdruckreiniger nachhelfen will, riskiert Mikrorisse in der Anti-Reflex-Beschichtung – das senkt den Ertrag dauerhaft.
Was tatsächlich funktioniert: deionisiertes Wasser
Deionisiertes Wasser – auch „Reinwasser" oder „demineralisiertes Wasser" genannt – ist das, was wir auf unseren Reinigungstouren einsetzen. Es wird vor Ort in einem Mischbett-Ionenaustauscher hergestellt und hat eine Leitfähigkeit von typischerweise unter 0,1 µS/cm (zum Vergleich: Leitungswasser liegt bei ~700 µS/cm).
Der Vorteil: Deionisiertes Wasser möchte Mineralien aufnehmen. Es zieht den Schmutz an, bindet ihn – und trocknet streifenfrei ab, weil keine Mineralien zurückbleiben. Genau das ist das physikalische Prinzip professioneller PV-Reinigung.
Wissenschaftlich bestätigt: keine Schäden am Modul
Eine Projektarbeit der Hochschule Albstadt-Sigmaringen (Allgayer 2010) hat unsere Methode wissenschaftlich untersucht: 45 Reinigungen mit deionisiertem Wasser (= 20 Jahre Anlagenlaufzeit) hinterließen keine erkennbaren Schäden an Glasoberfläche, Glanz oder Eloxal-Rahmen. Die Methode ist materialschonend – ganz anders als Hochdruck mit Leitungswasser.
Fazit
Wenn Sie mit dem Gartenschlauch über Ihre Solaranlage spritzen, ist das im besten Fall wirkungslos, im schlechteren Fall richten Sie damit aktiv Schaden an. Die paar gesparten Euro werden Sie über entgangenen Ertrag und zukünftige Spezialreinigung mehrfach wieder ausgeben.
Eine professionelle Reinigung mit warmem deionisierten Wasser dauert je nach Anlagengröße wenige Stunden, ist nachweisbar materialschonend und zahlt sich meistens schon in der ersten Saison aus.